Longevity & Prävention

Cholesterin senken: Was Ernährung, Bewegung und Gene wirklich bewirken

Erhöhtes Cholesterin tut nicht weh, und genau das macht es gefährlich. Hier erfährst du, was die Werte bedeuten, wie stark Ernährung und Bewegung sie senken, welche Rolle Gene und Epigenetik spielen und wann Medikamente die bessere Wahl sind.

6 Min. LesezeitAktualisiert: 8 Studienquellen
Fachlich geprüft von Alice Werner, Staatlich geprüfte Physiotherapeutin, Ernährungsberaterin und Mentaltrainerin.
Quellen: Ference 2017, Cholesterol 2010, Hooper 2020, Del 2015 u. a. – alle 8 Studien ansehenFragen? WhatsApp Live-Chat · info@alicewerner.de
Goldener Samenstand als Sinnbild für eine herzgesunde Ernährung zum Cholesterin senken

Das Wichtigste in Kürze

  • LDL-Cholesterin ist nach Studien mit über 2 Millionen Menschen eine Ursache von Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Jede Senkung des LDL um 1 mmol/l (rund 39 mg/dl) verringerte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse in großen Studien um etwa ein Fünftel.
  • Weniger gesättigte Fette senkte über mindestens zwei Jahre das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse um 21 Prozent.
  • Nüsse, lösliche Ballaststoffe und Ausdauerbewegung verbessern die Blutfette messbar, aber jeweils in kleinen Schritten.
  • Etwa 1 von 313 Menschen hat eine erbliche Form, bei der Lebensstil allein nicht reicht. Auch epigenetische Markierungen hängen mit den Blutfetten zusammen.

Warum ist Cholesterin gerade so ein großes Thema?

Laut Google Trends wird „Cholesterin“ derzeit deutlich häufiger gesucht als noch vor einem Monat, in Sachsen-Anhalt sogar mehr als doppelt so oft. Gefragt wird vor allem nach „LDL-Cholesterin“, „Cholesterin senken“, „Cholesterin zu hoch“ und neu nach „Non-HDL-Cholesterin“ und „Triglyceride“. Viele haben gerade einen Laborbefund in der Hand, zum Beispiel aus dem Gesundheits-Check-up ab 35.

Cholesterin selbst ist kein Gift. Dein Körper braucht es für Zellwände, Hormone und Vitamin D und stellt den größten Teil selbst in der Leber her. Problematisch wird es, wenn zu viel davon in den Gefäßen landet.

Was bedeuten LDL, HDL und Non-HDL?

Wert Was er zeigt Richtung
LDL-Cholesterin Cholesterin in den Partikeln, die es in die Gefäßwand tragen niedriger ist besser
HDL-Cholesterin Cholesterin auf dem Rückweg zur Leber ein normaler Wert ist günstig
Non-HDL-Cholesterin Gesamtcholesterin minus HDL, also alle schädlichen Partikel zusammen niedriger ist besser
Triglyceride Blutfette, die stark auf Zucker, Alkohol und Gewicht reagieren niedriger ist besser

Welcher Wert für dich der richtige Zielwert ist, hängt von deinem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko ab und wird ärztlich festgelegt. Noch genauer als LDL ist oft ApoB, das die Zahl der schädlichen Partikel misst. Mehr dazu in Blutwerte für Longevity.

Warum ist LDL-Cholesterin so wichtig?

Die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft hat die Studienlage 2017 zusammengefasst: genetische Studien, Beobachtungsstudien und randomisierte Studien mit zusammen über 2 Millionen Menschen. Ihr Fazit ist eindeutig: LDL ist eine Ursache der Arterienverkalkung. Je höher das LDL und je länger es erhöht ist, desto größer das Risiko.

Umgekehrt gilt: Senken lohnt sich. In einer Auswertung von 26 Studien mit rund 170.000 Teilnehmenden verringerte jede Senkung des LDL um 1 mmol/l, das sind rund 39 mg/dl, schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um etwa ein Fünftel.

Was hat Cholesterin mit deinen Genen zu tun?

Gene: Etwa 1 von 313 Menschen hat eine familiäre Hypercholesterinämie. Dabei arbeitet die Aufnahme von LDL in die Leber nicht richtig, und das LDL ist schon in jungen Jahren stark erhöht. Hier reicht Lebensstil allein meist nicht aus. Hinweise sind sehr hohe Werte und Herzinfarkte in jungen Jahren in der Familie.

Epigenetik: Auch die Schalter an deinen Genen spielen mit. In einer Studie aus Augsburg mit 1.776 Menschen hing die Methylierung bestimmter Gene des Fettstoffwechsels, etwa ABCG1, mit HDL- und Triglycerid-Werten zusammen. Die Methylierung von ABCG1 war zudem mit früheren Herzinfarkten verbunden. Weil sich solche Markierungen mit dem Lebensstil verändern, ist das ein weiterer Grund, warum Ernährung und Bewegung wirken. Mehr zur epigenetischen Wirkung des Alltags liest du in Epigenetik und Gesundheit.

Welche Ernährung senkt Cholesterin?

Weniger gesättigte Fette

Das ist der stärkste Ernährungshebel. Eine Cochrane-Auswertung von 15 randomisierten Studien mit rund 59.000 Teilnehmenden fand: Wer über mindestens zwei Jahre weniger gesättigte Fette aß, hatte 21 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse. Hilfreich war der Austausch gegen mehrfach ungesättigte Fette oder Kohlenhydrate. Gesättigte Fette stecken vor allem in Wurst, fettem Fleisch, Butter, Sahne, Käse und vielen Fertigprodukten.

Nüsse

Eine Auswertung von 61 kontrollierten Studien zeigte: Eine tägliche Portion Nüsse von rund 28 Gramm senkte das LDL-Cholesterin im Schnitt um knapp 5 mg/dl, dazu ApoB und Triglyceride. Welche Nusssorte, spielte kaum eine Rolle.

Lösliche Ballaststoffe

Hafer, Hülsenfrüchte, Äpfel und Leinsamen enthalten lösliche Ballaststoffe. Eine Auswertung von 67 Studien fand einen kleinen, aber verlässlichen Effekt: Drei Portionen Haferflocken am Tag senkten Gesamt- und LDL-Cholesterin um etwa 0,13 mmol/l, also rund 5 mg/dl.

Einzeln sind diese Effekte klein. Zusammen ergeben sie eine spürbare Veränderung. Mehr zu einer Ernährung, die auch deinen Genen guttut, liest du in Epigenetische Ernährung.

Wie viel Bewegung braucht es?

Ausdauertraining wirkt vor allem auf das HDL. In einer Auswertung von 25 randomisierten Studien stieg es im Schnitt um rund 2,5 mg/dl. Ein messbarer Effekt zeigte sich ab etwa 120 Minuten pro Woche. Längere Einheiten wirkten stärker als häufigere kurze. Bewegung senkt außerdem Blutdruck, Blutzucker und Triglyceride. Wie du Kraft und Ausdauer sinnvoll kombinierst, liest du in Krafttraining für Longevity.

Wann sind Medikamente sinnvoll?

Lebensstil ist die Basis, aber nicht für alle genug. Bei einer erblichen Form, nach einem Herzinfarkt, bei Diabetes oder hohem Gesamtrisiko empfehlen Ärztinnen und Ärzte oft zusätzlich Medikamente wie Statine. Die oben genannte Auswertung von 26 Studien zeigte, dass die Senkung des LDL mit Statinen Herzinfarkte und Schlaganfälle zuverlässig verringerte, ohne das Krebsrisiko zu erhöhen.

Ob und welches Medikament für dich infrage kommt, ist eine ärztliche Entscheidung. Setz verschriebene Medikamente nie eigenmächtig ab, auch wenn sich deine Werte verbessert haben.

Was kannst du ab heute tun?

  1. Werte kennen: Lass dir LDL, HDL, Non-HDL und Triglyceride erklären, am besten zusammen mit deinem Gesamtrisiko.
  2. Fette tauschen: Wurst, Butter und Sahne öfter durch Nüsse, Raps- oder Olivenöl ersetzen.
  3. Ballaststoffe einbauen: Haferflocken, Hülsenfrüchte und Gemüse täglich.
  4. Bewegen: mindestens zwei Stunden Ausdauer pro Woche, gern in längeren Einheiten.
  5. Familie fragen: Gab es Herzinfarkte in jungen Jahren? Dann gehört das in deine Hausarztpraxis.

Fazit

LDL-Cholesterin ist eine Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall, und jede Senkung zählt. Der stärkste Ernährungshebel ist der Austausch gesättigter Fette, dazu kommen Nüsse, lösliche Ballaststoffe und regelmäßige Ausdauerbewegung. Gene bestimmen mit, wie hoch deine Werte sind, und auch epigenetische Markierungen hängen mit den Blutfetten zusammen. Reicht der Lebensstil nicht, sind Medikamente eine gut belegte Ergänzung, über die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprichst.

Häufige Fragen

Wie kann ich Cholesterin schnell senken?

Ernährung wirkt innerhalb weniger Wochen: weniger gesättigte Fette aus Wurst, fettem Fleisch, Butter und Sahne, dafür mehr Nüsse, Hafer, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle. Wie stark der Wert sinkt, ist individuell. Bei sehr hohen Werten oder hohem Risiko entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt, ob zusätzlich Medikamente nötig sind.

Welche Lebensmittel senken Cholesterin?

Gut untersucht sind Nüsse, Hafer und andere Quellen löslicher Ballaststoffe sowie der Austausch gesättigter Fette gegen pflanzliche Öle. In einer Auswertung von 61 Studien senkte eine tägliche Handvoll Nüsse das LDL-Cholesterin im Schnitt um knapp 5 mg/dl.

Was ist Non-HDL-Cholesterin?

Non-HDL-Cholesterin ist das Gesamtcholesterin minus HDL. Es umfasst alle Cholesterin-Partikel, die Gefäße schädigen können, also auch die aus triglyceridreichen Lipoproteinen. Viele Labore geben den Wert inzwischen mit aus.

Senkt Sport Cholesterin?

Ausdauertraining erhöht vor allem das HDL, im Schnitt um rund 2,5 mg/dl. Ein messbarer Effekt zeigte sich in einer Auswertung ab etwa 120 Minuten Bewegung pro Woche, längere Einheiten wirkten stärker. Auf das LDL wirkt Ernährung deutlich stärker.

Ist hohes Cholesterin erblich?

Teilweise. Bei der familiären Hypercholesterinämie, die etwa 1 von 313 Menschen betrifft, ist das LDL schon in jungen Jahren stark erhöht. Wer sehr hohe Werte hat oder Herzinfarkte in jungen Jahren in der Familie, sollte das ärztlich abklären lassen.

Ab wann braucht man Cholesterintabletten?

Das hängt nicht vom Cholesterinwert allein ab, sondern vom gesamten Herz-Kreislauf-Risiko, etwa Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Familiengeschichte. Diese Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Verschriebene Medikamente bitte nie eigenmächtig absetzen.

Quellen

  1. Ference B. A. et al. (2017): Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. 1. Evidence from genetic, epidemiologic, and clinical studies. A consensus statement from the European Atherosclerosis Society Consensus Panel. European Heart Journal 38(32): 2459–2472. doi:10.1093/eurheartj/ehx144
  2. Cholesterol Treatment Trialists' (CTT) Collaboration (2010): Efficacy and safety of more intensive lowering of LDL cholesterol: a meta-analysis of data from 170,000 participants in 26 randomised trials. Lancet 376(9753): 1670–1681. doi:10.1016/S0140-6736(10)61350-5
  3. Hooper L. et al. (2020): Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 5: CD011737. doi:10.1002/14651858.CD011737.pub2
  4. Del Gobbo L. C. et al. (2015): Effects of tree nuts on blood lipids, apolipoproteins, and blood pressure: systematic review, meta-analysis, and dose-response of 61 controlled intervention trials. American Journal of Clinical Nutrition 102(6): 1347–1356. doi:10.3945/ajcn.115.110965
  5. Brown L. et al. (1999): Cholesterol-lowering effects of dietary fiber: a meta-analysis. American Journal of Clinical Nutrition 69(1): 30–42. doi:10.1093/ajcn/69.1.30
  6. Kodama S. et al. (2007): Effect of aerobic exercise training on serum levels of high-density lipoprotein cholesterol: a meta-analysis. Archives of Internal Medicine 167(10): 999–1008. doi:10.1001/archinte.167.10.999
  7. Beheshti S. O. et al. (2020): Worldwide prevalence of familial hypercholesterolemia: meta-analyses of 11 million subjects. Journal of the American College of Cardiology 75(20): 2553–2566. doi:10.1016/j.jacc.2020.03.057
  8. Pfeiffer L. et al. (2015): DNA methylation of lipid-related genes affects blood lipid levels. Circulation: Cardiovascular Genetics 8(2): 334–342. doi:10.1161/CIRCGENETICS.114.000804

Fachlich geprüft von Alice Werner am . Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Sprich bei Beschwerden oder vor größeren Veränderungen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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